Werbung
Auch, wenn Hass ein großes Wort ist: Ich hasse Werbung. Ich lehne sie aus tiefster Seele ab. Werbung nervt.
Ich
glaube, meinen letzten Post zum Thema hat keiner verstanden. Der
lautet:
Arbeitsloser Schauspieler in Psychiatrie eingeliefert.
Er hielt sich für einen Apotheker und hat ständig irgendwas von "Parabenen" gefaselt. Der arme Mann!
Es gibt einen Werbespot für irgendein Kosmetikprodukt und ein vermeintlicher Apotheker lobt darin eben jenes mit dem Argument, es enthalte keine Parabene, ohne zu erklären, was Parabene überhaupt sind und warum das gut ist, wenn keine enthalten sind. Natürlich ist das kein echter Apotheker, so wie "Dr. Best" kein Zahnmediziner war. Es ist ein unterbezahlter Schauspieler, den sonst keiner kennt, der das Geld braucht und sich deshalb bereitwillig vor den Karren der Werbeindustrie spannen lässt, irgendeine willen- und namenlose Marionette, die für Geld alles machen würde.
Nach dem Tod meiner Frau und in der Trauer über diesen Verlust kotzt mich diese aufdringliche Verlogenheit, diese kommerzielle Gaukelei besonders an.
Ich
kann nicht behaupten, dass die Arbeit, mit der ich mein Geld
verdiene, besonders schwer oder hart ist. Dennoch, ich sehe, wie kurz
das Leben sein kann und womit man es größtenteils verbringt,
nämlich mit Arbeiten. Man verkauft zwar nicht seinen Körper, aber
seine Arbeitskraft und seine Lebenszeit. Man muss sich ein Leben lang
beugen, muss sich fügen und gehorchen. Deshalb würde ich das
verdiente Geld durchaus als sauer verdientes Geld bezeichnen. Und
perfide Werbestrategen legen es darauf an, mir eben dieses sauer
verdiente Geld mit windigen Versprechen wieder aus der Tasche zu
ziehen. Und längst geht es nicht mehr darum, einen natürlichen
Bedarf zu befriedigen, sondern darum, künstlich Nachfrage zu
erzeugen, die Leute zum Kauf, Abschluss oder sonstigem Konsum zu
verleiten und zu verführen.
"Kunden müssen beraten werden, weil sie sonst gar nicht wissen, was sie brauchen."
(Und das in einem Land, in dem jeder ab 18 - ohne vorherige Beratung - wählen kann.
Warum gelten Wähler als mündige Bürger, Konsumenten aber nicht? )
Da geht es nicht um schlichte Produktinformation. Nein, es wird suggeriert, ein Angebot, ein Produkt, eine Dienstleistung mache glücklich. Und mit solch einem Driss wird man im wohlverdienten Feierabend berieselt, belästigt, penetriert, immer und immer wieder. Man sollte gerade um das, was am meisten beworben wird, einen großen Bogen machen, die Dinge, für die am lautesten die Werbetrommel gerührt wird, boykottieren. Einfach ab dem dritten Spot das Zeug links liegen lassen!
Werbung nervt unendlich. Sie nimmt Hirn, Mailfach und Briefkasten in Beschlag, vergeudet Zeit, Rohstoffe und Energie, sie manipuliert, macht gefügig, übertreibt, täuscht, lügt und betrügt. Wertvolle Dinge im Leben, die man für kein Geld der Welt kaufen kann, kommen in der Welt der Werbung nicht vor, sind zweitrangig, nebensächlich, uninteressant, langweilig, lächerlich. Ja, Werbung, Konsum, Wirtschaft, Wettbewerb, Geld, Prestige das gilt als wichtig. Haste was, dann biste was. Ja nee, is klar ... Was ist mit Gesundheit und Sensibilität, Nähe, Zusammenhalt, Empathie, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit, Beschaulichkeit und innerem Frieden? Wo kann man das kaufen? Und wer wirbt dafür? Wer macht Profit damit?
Wo
Wirtschaftsunternehmen einer "Philosophie" folgen, da gibt es
sicherlich auch Marktschreier, die zu Meditation und Kontemplation neigen. Würde man
einem Geschäftemacher sein Herz ausschütten? Möchte ich mit Leuten
befreundet sein, die reden und sich geben wie die dauergrinsenden
Typen im Werbefernsehen, wie penetrante Krämer, die mir mit aller Gewalt und
Beharrlichkeit unbedingt etwas andrehen und mir sogar ihre Werbung noch als "Aufklärung" oder "Beratung" verkaufen wollen? Flößt deren Gebaren
mir Vertrauen ein? Funktioniert das, wenn ein Gaukler wie Jenke von
Wilmsdorff mir zum hundertsten Male ein Wärmepflaster anpreist, das
er selbst nicht braucht? Möge er damit doch bitte diejenigen Leute beeindrucken,
die ihm nur deshalb an den Lippen hängen, weil
er ein aus dem Fernsehen bekannter C-Promi ist. Aber selbst ein ganz anderes Kalliber wie der bunte Onkel Gottschalk kriegt auch im Alter den Hals immer noch nicht voll, obwohl der sich doch nun nach menschlichem Ermessen wahrlich keine Sorgen um seine Altersbezüge machen muss. Letztlich beleidigt er damit zum Dank auch noch sein Publikum, das ihn groß gemacht hat. Hört nicht auf ihn, ob nun mit oder ohne Hörgerät! Auch so einer, der
womöglich denkt "Doof konsumiert gut". Mit den verblödeten
TV-Junkies kann man es ja machen.
Werbung erreicht, dass sich einem die Erkenntnis von der Gemeinsamkeit zwischen Fernseh- und Abwasserkanälen unmittelbar erschließt.
Jemand hat Werbung mal als "merkantile Propaganda" bezeichnet. Da ist was dran! An der Werbung hängen viele Arbeitsplätze, meinst du? An der Erotikbranche und der Tabakindustrie auch. Hinters Licht führende, manipulierende Werbung müsste generell verboten werden, nicht nur für Tabak. Aber sogar das Argument "Rauchen tötet" schreckt ja die ganz hartgesottenen Konsument*Innen nicht ab. Vielleicht stimmt es eben doch: Doof konsumiert gut.