Schwer Fassbares
Als
ich als Kind zum ersten Mal von der Frage nach dem Sinn des Lebens hörte,
wusste ich gar nichts damit anzufangen. Als ich davon hörte, dass eine Sache Konzentration erfordere, wusste ich auch nicht so
recht, was gemeint war. Auch mit dem Begriff "Würde" tue ich
mich schwer, weil ich mir immer irgendetwas Strenges und Erhabenes
darunter vorstelle, z.B. Menschen in langen Roben, mit ernsten
Gesichtern und in irgendwie feierlicher Haltung. Mit dem Wort
"Menschenwürde" geht das schlecht zusammen. Auch Begriffe wie
"Gerechtigkeit", "Unendlichkeit" oder "Ewigkeit" sind für
mich mitunter schwer zu fassen. Zuletzt ging es mir so, als ich zum ersten Mal etwas von "Netzwerken" hörte und die Frage, ob man ein guter Netzwerker sei. Mir war bekannt, dass man sich u. U. verstricken kann, z. B. in Widersprüche. Aber da ich selbst eher so der Einzelgänger bin, erschloss es sich mir nicht sofort, inwieweit die Fähigkeit zum Netzwerken im Leben eine große Rolle spielen sollte. Mittlerweile leuchtet mir natürlich ein, was damit gemeint ist. Aber immer das, was ich selbst nicht habe,
nicht sehe, nicht erkenne oder nicht gut kann, dafür fehlen mir die
Worte. Und die Worte, die es dafür gibt, kann ich schlecht damit in
Verbindung bringen und ich vermag es nur schwer, gedanklich damit umzugehen. (In meinem Beruf bekommen Worte wie "Ereignis" oder "Radar" ganz neue Bedeutungen und kommen auf einmal in ganz neuen Zusammenhängen vor. Da glaubte ich jahrzehntelang genau zu wissen, was damit gemeint ist und schwupp ist eine Ampel auf einmal ein Brotmesser ..., nur mal so als analoges Beispiel. Und die ganz Elitären beschäftigen sich mit "Roll-Outs" und "Release-Wechseln". Deutsch ist eben irgendwie out. Bloß gut, dass ich mich mit denen nicht unterhalten - Entschuldigung - dass ich mit denen nicht kommunizieren muss).
Dabei geht es nicht allein um Abstraktes und Abstraktionsvermögen. Denn früher habe ich mich gerne mit Philosophie beschäftigt, das ist durchaus eine abstrakte Materie. Und es ist etwas, womit wiederum viele meiner Mitmenschen nichts anzufangen wissen. Und wenn dich jemand fragt "Hömma, was ist das eigentlich: Philosophie?", was sagt man dann jemandem so auf die Schnelle, vor allem wenn schon die Frage erkennen lässt, dass der- oder diejenige im Leben noch nie einem philosophischen Gedanken nachgegangen ist und ihr oder ihm sich Probleme aus diesem Bereich offenkundig noch nie aufgedrängt haben?
Und dann stellt sich die Frage nach Klugheit und Dummheit. Ist man klug, wenn man alles kennt und versteht? Bin ich dumm, wenn ich Dinge nicht begreife, die anderen ganz selbstverständlich und klar erscheinen? Was ist mit praktischer, emotionaler oder heutzutage auch künstlicher Intelligenz? Bin ich blöd, wenn ich in einer Schublade nach Tassen suche? Für mich ist das alles kompliziert und knifflig ...
Frage am Rande: Was ist eigentlich ein Pitch? Die Antworten von Wikipedia machen mich besoffen.