Partnersuche


Ich komme eigentlich ganz gut alleine zurecht. Allein ist nicht gleich einsam. Im Alleinsein steckt auch eine gewisse Unabhängigkeit und Freiheit, die ich ich mir manchmal gerne lieber in die Haare schmieren würde, wenn nur wieder alles so wäre, wie es früher einmal war.

Auch bin ich sehr dankbar für die Menschen, die mich nach dem Tod meiner Frau aufgefangen haben, die mir beigestanden, mich unterstützt haben und es immer noch tun! Ich will sie nicht geringschätzen mit meinem Gerede von Freiheit und Unabhängigkeit und vom Alleine zurecht kommen.

Und irgendwie kommt es mir auch noch ein bisschen wie Verrat an Ela und unserer Ehe vor, wenn ich nach einer neuen Partnerin suche. Aber zum Einen würde Ela sich in ihrer Liebe zu mir ganz sicher wünschen, dass es mir gut geht und ich glücklich werde. Und zum Anderen war sie schon zu Lebzeiten großherzig genug, mich auf die Reize und Vorzüge fremder Geschlechtsgenossinnen sogar noch aufmerksam zu machen und ein Hobby, das in diese Richtung geht, nicht nur zu dulden, sondern mich in dessen Ausübung auch noch zu unterstützen, und zwar sowohl durch bloße Ermunterung, als auch durch tätige Assistenz. Schon damals fürchtete ich, sie ungewollt damit zu verletzen und zu kränken.

Entgegen meinem ursprünglichen Vorsatz hat es mich nun doch auf Partnerbörsen verschlagen, wenn auch nicht auf die, die am meisten Werbung für sich machen und kostenpflichtig sind. Dazu hier ein paar Gedanken, die ich auf einer Seite auch in mein "persönliches Statement" eingearbeitet habe:

So viele fremde Gesichter, Leben und sehnsüchtige Herzen! Und ich klicke die allermeisten nahezu achtlos weg. Im Grunde sind alle es wert - und ich wünsche es ihnen - hier ihren Wunschpartner zu finden. Natürlich liegt es weder in meiner Verantwortung noch in meinen Möglichkeiten, dafür zu sorgen.

Nicht, dass ich mich selbst unseriös nennen würde im Sinne von unlauter und zwielichtig. Aber eine, die unter Seriosität (bitte nicht "Seriösität"!) eine beständige Ernsthaftigkeit versteht, auf Reife, erwachsene Rationalität und weltmännische Lebenserfahrenheit hofft und die sich einen Fels in der Brandung wünscht, die muss ich enttäuschen. Das bin ich nicht, damit kann und will ich nicht dienen. Dienen sowieso nicht, auch nicht mich verbiegen. Ich will nicht krampfhaft darauf achten müssen, einen guten Eindruck zu machen, sachlich, intellektuell, gebildet und distinguiert wirken zu müssen. Ja, ich bin oft unsicher und auch manchmal albern. Hätte ich einen Buckel, dann dürften mir den all jene herunterrutschen, die das als "nicht altersgemäß" seltsam finden, missbilligen oder jedenfalls damit nichts anfangen können. Ja, ich bin vielleicht ein Kindskopf, aber nicht erst seit dem Tod meiner Frau (die gerade das an mir mochte) sind mir auch Ernst, Tiefsinn und Traurigkeit vertrauter als mir lieb ist. Gerade deshalb braucht es oft den Humor als Kehrbesen.

Warum schreibe ich eigentlich so viel und viele andere schreiben nur das Allernotwendigste über sich? Schade!