Lachen
Je älter ich werde, desto wichtiger wird mir das Lachen. Vor allem das gemeinsame Lachen, das Herumalbern und Herumblödeln.
Gerade auch bei der Überwindung von Trauer, der Pflege und Auffrischung zwischenmenschlicher Kontakte.
Wer Albernheit für kindisch und ein Zeichen von Unreife hält, kann sich und andern ja ungezwungene Ausgelassenheit und Fröhlichkeit entweder verbieten oder vermiesen und mit seiner so verstandenen Reife und seinem heiligen Ernst schon mal ein bisschen den Tod vorwegnehmen, den eigenen wie den der Mitmenschen. Depression ist die Trauerkleidung der Seele oder auch ein lichtdichter Vorhang davor, auch die als Vernunft und Humorlosigkeit getarnte Variante. Warum sich nicht beizeiten das Gekicher abgewöhnen? Im Sarg ist ohnehin Schluss damit.
Das Leben als Kehraus des unbedarften Kinderlachens. Okay, wer's mag. Es gab fromme Strömungen, die meinten, das Lachen sei des Teufels. Das Gegenteil ist der Fall, nicht erst seit Timm Thaler.
Und man kann nun wirklich nicht allen Ernstes behaupten, dass die Welt bei den Rationalen, Nüchternen, den Kopfmenschen und Vernünftelnden in besseren Händen wäre, als bei jemandem, der das Lachen nicht nur noch nicht verlernt hat, sondern auch noch ausgiebig davon Gebrauch macht. Es ist ein kleines Glück, noch lachen und sich vom Humor auch durch schwere Zeiten tragen lassen zu können. Diese Fähigkeit nicht zu haben, ist Symptom und Mangelerscheinung, ein Gebrechen, Unvermögen, ein Defizit, eine bedauernswerte und zuweilen leider auch ansteckende Verfinsterung des Gemüts.
Und je wichtiger mir eben dieses Lachen wird, desto unwichtiger werden mir Äußerlichkeiten. Überall dort, wo physische Attraktivität eine Rolle spielt oder spielen soll, scheint schon der Anflug eines Lächelns verbannt: Man denke nur an die versteinerten Mienen von Laufstegmodels oder von allerlei Aktdarstellungen des menschlichen Körpers in der bildenen Kunst. Ästhetisch, aber freudlos. Sogar in der Erotikbranche gibt es offensichtlich nichts zu lachen, oder es wirkt aufgesetzt oder eine im Grunde natürliche Unschuld und Leichtigkeit werden in den Dreck gezogen. Die einst propagierte Freiheit der Lust ist alles, nur nicht lustig.
Man hat fast den Eindruck, Dinge, die schön sein könnten, vertragen sich nicht mit Fröhlichkeit. Zügellose Gier und gewollte Erhabenheit machen Heiterkeit zu etwas Unangebrachtem, Deplatziertem. Schönheit und visueller Reiz sind nur etwas für die Augen, nichts, was das Gemüt erwärmt. Beides kann durchaus auch sehr steril daherkommen und das heißt ja bekanntlich unfruchtbar. Ja, perfektes Styling, ein makelloses, attraktives Äußeres und cooles Auftreten können einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Unsere Vorstellungen vom Wesen Außerirdischer verraten uns. Hätte je jemand einen freundlich lächelnden, sympathischen Alien ersonnen oder einen Tränen lachenden? Ausnahmslos hagere graue Gestalten mit ernsten Gesichtern, großen, ausdruckslosen Augen und leerem Blick. Eben menschenähnlich.
Auch Wut, Ärger und Hass verdrängen das Lachen. Zumindest wird es hämisch und bitter. Selbst humor- und phantasievolle Menschen, die sonst gerne gelacht haben, können sich in diese Richtung entwickeln und sind nicht davor gefeit.
Dagegen bringt schon ein einfaches "Zickezacke Hühnerkacke" ein bisschen Farbe und Leben in die Welt ...