Kinderersatz?


Als Hundehalter hört man manchmal die Behauptung, Haustiere seien ein Kinderersatz.

Von Familienmenschen ausgesprochen, klingt das eher vorwurfsvoll, zumindest lässt es eine gewisse Missbilligung erkennen. Dagegen ist dieselbe Aussage aus dem Mund eines Hundebesitzers meist durchaus positiv gemeint.

Abgesehen von diesem Sachverhalt, kommen Hundehalter – ganz gleich, ob mit oder ohne Kinder - beim Gassi gehen untereinander anscheinend häufiger ins Gespräch über ihre Vierbeiner, als junge Elternpaare untereinander über ihre Kinder, es sei denn in Wartezimmern, in der Kita, Vorschule oder Schule. Wenn nicht gerade kleine Kinder den Kontakt zu ihresgleichen suchen, sehen Eltern selten Veranlassung, das von sich aus mit Menschen zu tun, die auch (kleine) Kinder haben. Vielleicht habe ich noch nicht genug darauf geachtet, aber beobachtet habe ich das in der Tat noch nie.

Allein schon deshalb scheint mir die Beziehung Mensch–Hund von ganz anderer Natur zu sein, als die Beziehung zwischen Menschen, die Kinder haben. Möglicherweise führt so etwas wie ein Schutzinstinkt dazu, oder das Fremdeln der Kinder in einem bestimmten Alter färbt auf deren Eltern ab.

Kinder großzuziehen scheint darüber hinaus nicht durchgehend ein reines Vergnügen zu sein. Den Nachwuchs stets als beglückendes Geschenk und Bereicherung zu betrachten, gelingt auch den Eltern von Wunschkindern über weite Strecken nicht. Kinder kosten Zeit, Geld und Nerven. Wenn sie selbständig werden, mischt sich in die Erleichterung der Eltern über ihre eigene wiedergewonnene Freiheit auch der Schmerz des Loslassen müssens und die Sorge über Kontrollverlust und schlechte Einflüsse. Das Kind bleibt ein Leben lang das Kind, auch lange, nachdem es volljährig geworden und einen eigenen Hausstand gegründet hat. Sorgen und Konflikte bleiben da nicht aus.

Diese Probleme kennt der Hundehalter nicht. Stattdessen lebt er in der traurigen Gewissheit, dass er seinen vierbeinigen Freund überleben wird und in einer absehbar eher kurzen Zeitspanne schmerzhaft wird Abschied von ihm nehmen müssen, so sehr er oder sie ihm oder ihr auch ans Herz gewachsen sein mag.

Eine Quelle der Freude, eine innige, liebevolle Beziehung und die Fürsorge für die Gesundheit der Schützlinge sind sicherlich Erfahrungen, die Familienmenschen und Tierfreunde miteinander gemein haben. Am verständnisvollsten scheinen diejenigen Leute zu sein, sie sowohl Kinder, als auch Haustiere haben, und zwar zum Wohle beider, der Kinder und der Vierbeiner.

So lange es meinem Hund und mir miteinander gut geht, kann ich gewisse Bemerkungen gut ertragen, zumal sich wahrscheinlich gar nicht mal so selten auch ein gewisser Neid darin ausdrücken mag. Und ob man als Objekt der Altersvorsorge ganz eigennützig in die Welt gesetzte Kinder beneiden muss, ist eine andere Frage. Nicht immer geht diese Rechnung auf.