Hubert ohne Staller

Unlängst begegneten mir im Netz Bilder der Hauptdarsteller der Serie "Hubert und Staller": Christian Tramitz als Franz Hubert, Helmfried von Lüttichau als Johannes Staller, Michael Brandner als Reimund Girwidz und Paul Sedlmeir in der fast schon bedauernswerten Rolle des tolpatschigen Martin Riedl.

Ela und ich haben die Serie immer gern geschaut. Wir fanden sie amüsant, sie war für uns ein Highlight der Woche, eine der wenigen Sendungen, die ich nicht nur schaute, um meiner Frau Gesellschaft zu leisten und weil ich gerade nichts Besseres zu tun hatte. Herrlicher, einfach gestrickter Humor, amüsant, unterhaltsam. Zumindest nicht ermüdend und nervig konfliktbeladen wie der "Bergdoktor", mit seinen Familienstreitigkeiten in Dauerschleife oder vor Romantik triefend wie die Machwerke von Pilcher und Co. Und Bergrettungsdramen sind nichts für Leute mit Höhenangst. Jedenfalls gibt es auch da nichts zu lachen.

Immer wieder erstaunlich und anerkennenswert, wie überzeugend und glaubwürdig Schauspieler Charaktere zu verkörpern vermögen, mit denen sie am Ende vielleicht gar nicht so viel gemeinsam haben. Da stehen die Nebendarstellerinnen und Nebendarsteller den Hauptfiguren übrigens in nichts nach. Ein Interview mit Michael Brandner wirkt demgegenüber schon fast ernüchternd und desillusionierend.

Ela und ich haben jede Folge immer gerne gesehen, manchmal später sogar noch als Wiederholung. Und wir fragten uns, ob es den Machern nach dem Weggang von Helmfried von Lüttichau alias Johannes Staller wohl gelingen würde, das Niveau der Serie zu halten. Aber es ist ihnen sogar mit Bravour gelungen, sogar beim ganz unkonventionell geänderten Titel. Dann eben ab jetzt einfach "Hubert ohne Staller". Michael Brandner fügt sich hervorragend in die Rolle des etwas trotteligen Partners an Huberts Seite. Katharina Müller-Elmau als Revierleiterin Sabine Kaiser macht ihre Sache auch ausgesprochen gut und bereichert die Serie um eine neue Nuance. Sie mimt die strenge, sich stets cool und überlegen gebende Vorgesetzte, die die Schnitzer ihrer eher unfähigen Kollegen ertragen muss. Vor ihr würde ich vermutlich auch anfangen zu stammelsn.

Wir haben uns manchmal beeilt, um nach dem Einkauf rechtzeitig zu Beginn der Sendung wieder zu Hause zu sein. Es war immer unser gemeinsames Interesse, ein gemeinsames Erlebnis und ein gemeinsames Vergnügen, über das wir uns auch später noch manches Mal erheiterten.

Aber so, wie das Drehbuch Johannes Staller aus der Geschichte herausgeschrieben hat, hat das Leben nun meine Ela aus unserer bis dahin gemeinsamen und aus meiner Geschichte herausgeschrieben, und das ohne Rücksicht auf unser beider Wünsche. Hier erfährt der Spruch "Das Leben ist kein Wunschkonzert" seine brutale Bestätigung. Aus Lothar und Ela ist Lothar ohne Ela geworden. Kaum vorstellbar, dass die Fortsetzung auch nur annähernd so gut werden könnte wie das, was bisher war.

Ich mag mir die Sendung nun nicht mehr - allein vor dem Fernseher sitzend - ansehen. Niemand teilt mehr mit mir dieses Erlebnis, und das Schmunzeln bleibt aus. Was bleibt, ist eine wehmütige Erinnerung an Vergangenes, das schön war und das die heiteren Aspekte überschatten würde.

Ela und ich hätten nie im Traum daran gedacht, uns scheiden zu lassen. Nun hat der Tod eben das getan: uns geschieden. Aber ich fühle mich nicht so, ich bin nicht geschieden. Ich trage Elas Ring bei mir und meinen weiterhin an der Hand, wo er hingehört.



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