Grabenkämpfe
Wer in Schlagworten denkt und sie benutzt, wer pauschalisierende Verunglimpfungen gutheißt, wer politisch Andersdenkende eher als Feinde, denn als Mitbewerber sieht, darf sich über deren Reaktion nicht wundern. An einem konstruktiven, moderaten, sachlichen Austausch, an Konsens und Kompromiss sind solche Menschen in aller Regel ohnehin nicht interessiert.
So verharren eben beide Seiten schimpfend, drohend, brüllend und mit erhobenem Zeigefinger, verstockt, wutschnaubend und mit verschränkten Armen in ihren jeweiligen Schützengräben. Und während die Einen über die ihrer Meinung nach "Linksgrün Versifften" herziehen, tun die Anderen das mindestens mit dem gleichen Recht über vermeintliche oder tatsächliche "Neonazis". (Persönliche Anmerkung: Der Unterschied zwischen "Biodeutschen" und "Ariern" ist auch mir nicht klar …).
Wer glaubt, dass es irgend jemandem etwas bringt, sich dauerschmollend und dauergereizt zu verschanzen, sich nur mit Seinesgleichen auszutauschen, sich gegenseitig zu bestätigen und weiter aufzuhetzen und im alleinigen Besitz der Weisheit zu sein, hat das Prinzip von Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt, Mitbestimmung und Demokratie nicht verstanden.
Gemessen an anderen Staatsformen, können wir froh und dankbar sein. In Russland etwa, Belarus, der Türkei, Saudi Arabien, dem Iran, Nordkorea oder China wäre es nicht so gefahrlos möglich, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das mögen auch die bedenken, die über die Demokratie – übrigens wie schon einmal in der Geschichte – verächtlich als das "System" sprechen und deren Verfechter und Repräsentanten mit ebensolcher Ablehnung als "Systemlinge" abwerten.