Der Ehering
Ich bin jetzt verwitwet und muss damit fertigwerden. Über den Film "Endlich Witwer" mit Joachim Król mag ich nicht mal mehr schmunzeln. Heute bange ich um das Leben meiner Schwägerin, die sich einer Herz-OP unterziehen muss. Möge sie diese gut überstehen und meinem Bruder mein Schicksal erspart bleiben! Ein so genannter Routineeingriff, aber was bedeutet das schon ...?
"Bis dass der Tod euch scheidet" hieß es damals bei unserer Trauung. In diesem Sinne sind wir geschieden, unfreiwillig. Ich wollte die Scheidung nicht. Nicht so und nicht anders. Und meine Frau ganz gewiss auch nicht.
Es gab eine Zeitungsrubrik für Leserbriefe mit dem Titel "Unverlangt eingesandt". Vielleicht gibt es sie auch heute noch. Der frühe Tod meiner Frau war auch so eine Einsendung, unerwartet und ganz bestimmt unverlangt. Keiner weiß, von wem oder woher sie uns geschickt wurde.
Meinen Ehering trage ich noch, als Zeichen der Erinnerung und Verbundenheit. Es fällt mir schwer, ihn abzulegen. Und das Signal an die Außenwelt, nun alleinstehend, "frei", "wieder zu haben" oder jedenfalls ungebunden zu sein, muss ich nicht aussenden. Was kommen wird, wird kommen oder eben nicht.