Dankbarkeit und Sorge

Unlängst wurde in einem psychologischen Beitrag behauptet, es sei hirnphysiologisch unmöglich, gleichzeitig Dankbarkeit und Sorge zu empfinden. Je mahr Raum man dem Bewusstsein und der Dankbarkeit für alles Gute im Leben gebe, desto weniger Raum bliebe für negative Gedanken und Sorgen.

Das deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung, auch damit, dass sich sehr negativ eingestellte Menschen offensichtlich sehr schwer damit tun, schöne Dinge überhaupt wahrzunehmen, einzuräumen, dass es Sachen gibt, die nicht selbstverständlich sind und die es verdienen, wertgeschätzt zu werden, nicht allein um ihrer selbst willen, sondern auch, weil es einem selbst gut tut.

Jedes freundliche Bemühen, ihre Sicht auf Positves zu lenken, wird als übergriffiger Bekehrungsversuch, als Ausdruck von blauäugiger Naivität und Weltfremdheit und als Realitätsverweigerung abgelehnt - teils sogar recht aggressiv.  Manche Menschen glauben wohl allen Ernstes, man wolle ihnen etwas wegnehmen, wenn man sie von ihrem Trübsinn und ihrer Schwarzseherei abzubringen versucht. Im Gegenteil,  jede Form von Optimismus ist ihnen zuwider. Und wenn man auf die Krisen in anderen Teilen der Welt verweist, argumentieren sie trotzig, das hieße, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Aber nichts ist selbstverständlich, auch nicht die Abwesenheit von Krisen, die anderswo brutale Realität sind. Tägliche Dankbarkeit verdient - trotz aller berechtigten Sorge umdieZukunft - einen festen Platz in unser aller Leben.